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Entretien André Dunand : Partie II
22. Mai 20264 Min. Lesezeit

Interview André Dunand: Teil II

Zurück zum Wesentlichen: Begegnung mit FreeTheBees

Bevor Sie diesen Artikel weiterlesen, laden wir Sie ein, den ersten Teil unseres Gesprächs mit André Dunand zu entdecken. Den ersten Teil des Interviews finden Sie hier.

Was macht den Ansatz von FreeTheBees im Vergleich zu traditionelleren Imkerei-Initiativen einzigartig?

Historisch hat der Mensch versucht, die Bienen näher zu sich zu holen und sie in Bienenstöcken unterzubringen, um sie leichter nutzen zu können. Das ist an sich bereits ein Paradigmenwechsel: Man hat die Biene an unsere Bedürfnisse angepasst, statt ihre natürliche Lebensweise zu respektieren.

Was uns bei FreeTheBees unterscheidet, ist, dass wir den umgekehrten Weg gehen. Wir lassen uns vom ursprünglichen Zustand der Biene und von ihrer natürlichen Lebensweise inspirieren, um diese Bedingungen so gut wie möglich wiederherzustellen. Dabei spielt vor allem der Lebensraum eine zentrale Rolle. Wie ich bereits erklärt habe, ist ein natürlicher Lebensraum rund, dickwandig, isolierend und ermöglicht eine optimale Luftzirkulation. Moderne Bienenstöcke hingegen sind standardisierte, eckige Konstruktionen mit Bedingungen, die den natürlichen Bedürfnissen der Bienen nicht entsprechen.

Genau diese Unterschiede verändern grundlegend, wie Bienen leben. Unser Ansatz besteht daher darin, diese Bedingungen vollständig neu zu denken, damit die Bienen zu einer Lebensweise zurückfinden können, die ihrer Natur näherkommt.

FreeTheBees und natürliche Lebensräume der Bienen

Viele Menschen haben gehört, dass Bienen gefährdet sind, doch nicht alle erkennen das volle Ausmass des Problems. Was geschieht heute tatsächlich mit den Bienenpopulationen?

Obstbäume blühen, und sehr schnell nach dem Ende dieser Blüte werden die Felder gemäht. Die Biene steht dann vor einem echten Dilemma: Wo findet sie ihre Nahrung?

Genau in diesem Moment kann der Mensch eine wichtige Rolle spielen, indem er zu einem unterstützenden Akteur wird, etwa durch das Anlegen von blühenden Gärten oder das Pflanzen von Bäumen. Es gibt also einfache Massnahmen, die wir ergreifen können, doch die eigentliche Herausforderung besteht darin, diese Zeiten des Ressourcenmangels auszugleichen.

Ein weiterer besonders wichtiger Aspekt ist der Einsatz von Pestiziden, sei es in der Landwirtschaft oder sogar in privaten Gärten. Man neigt manchmal dazu zu denken, dass nur Landwirte betroffen sind, doch in Wirklichkeit ist der Einsatz viel weiter verbreitet. Das ist ein wesentlicher Faktor beim Verschwinden bestimmter Bienenarten, und auch die Honigbiene leidet unter diesen Folgen.

Warum sind Bienen über die Honigproduktion hinaus essenziell für die Biodiversität und unsere Ernährungssysteme?

Wenn die Biene verschwindet, in grosse Schwierigkeiten gerät oder ihre Population einfach abnimmt, dann sind die Folgen unmittelbar. Es wird zu einem erheblichen Mangel bei der Bestäubung kommen. Und aus diesem Ungleichgewicht ergeben sich grosse Schwierigkeiten bei der Lebensmittelproduktion und damit bei der Versorgung der Bevölkerung. Langfristig stellt sich damit die Frage, ob wir das Gleichgewicht unseres eigenen Lebenssystems aufrechterhalten können.

Biodiversität und Bienenpopulationen

An welchen wichtigsten Projekten oder Initiativen arbeitet FreeTheBees derzeit, um Bienenpopulationen zu unterstützen?

Wir vermitteln diese Informationen der Oeffentlichkeit auf verschiedene Weise: durch Vorträge, Kurse, aber auch durch einen Lehrpfad, auf dem wir Schulklassen, Kinder und Eltern empfangen. Ziel ist es, die Herausforderungen rund um die Bienen konkret sichtbar zu machen und ihre Realität verständlich zu erklären.

Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Schaffung von Baumhöhlen. Da unsere Mission darin besteht, die Rueckkehr der Biene in ihre natürliche Umgebung zu begleiten, stellen wir heute einen offensichtlichen Mangel an geeigneten Lebensräumen fest. Um dem entgegenzuwirken, schaffen wir Höhlen nach dem Vorbild traditioneller Zeidler-Praktiken direkt in lebenden Bäumen, deren Lebensdauer 200 bis 300 Jahre betragen kann. Solche Praktiken findet man unter anderem bei den Baschkiren oder in Polen. Es handelt sich um einen respektvollen Ansatz, der die Natur vollständig in die Entwicklung der Honigbienen integriert, die ohne menschliches Eingreifen leben.

Heute haben wir bereits mehr als 400 Orte erfasst, an denen diese Bienen autonom leben.

Ausserdem führen wir dank des Engagements von Freiwilligen dreimal pro Jahr Kontrollen durch. Es handelt sich um echte Citizen Science: im Frühling, um zu prüfen, wie die Kolonien aus dem Winter kommen, im Sommer, um ihre Entwicklung zu beobachten, und im Herbst, um ihre Fähigkeit einzuschätzen, den Winter zu überstehen. Diese Daten sind ausserordentlich wertvoll. Lange Zeit wollte man uns glauben machen, dass Bienen, die ohne menschliches Eingreifen leben, nicht mehr existieren. Heute können wir das Gegenteil beweisen. Allein in der Schweiz wurden bereits mehr als 400 Kolonien identifiziert, und in anderen Ländern laufen zahlreiche Studien.

Was noch weiterentwickelt werden muss, ist eine wirklich wilde Honigbiene, die in der Lage ist, mehrere Jahre und mehrere Winter völlig autonom in einer Höhle zu überleben. In der Schweiz ist dieses Phänomen heute noch selten. Man beobachtet Kolonien, die sich ansiedeln, aber noch nicht vollständig an ein Leben ohne menschliches Eingreifen angepasst sind. Es ist ein Prozess, der Zeit braucht. Doch wir sind überzeugt, dass wir dieses Ziel erreichen werden.

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